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ArtCanal: Kunstschaffende aus aller Welt zwischen Bieler- und Neuenburgersee.
Bis Oktober 2002
Als
Expo-Projekt hat es Schiffbruch erlitten. Mit 56 Teilnehmer/-innen ist ArtCanal
jetzt die grösste Ausstellung mit Kunstwerken in situ, die es in der Schweiz je
gab. Viel Herzblut, doch weniger wäre mehr gewesen.
UMS hat den Pavillon am Landesteg von Le Landeron gesponsert; in seinem Herz
eine bisher unbekannte Grossplastik von Jean Tinguely. Das Schiff wartet auf
Gäste, um sie auf die Kunstfahrt zwischen Bieler- und Neuenburgersee
mitzunehmen. Ab 15.MaI werden die Expo-Gäste mit dem Iris-Boot durch den
Zihlkanal zischen. 1 Mio Publikum ist a priori gegeben. Eigentlich grossartig.
Die Böllerschüsse zur Vernissage konnten nicht laut genug sein: "Wir haben
es geschafft, ArtCanal lebt". Bundesrat Joseph Deiss, Präsident des
Patronatskomitees, lobte.
Die Künstler - ein Teil zumindest - spürten ein flaues Gefühl im Magen. Niemand
sprach von Kunst. Kunststück, die Fahrt auf dem Schiff erlaubt nicht mehr als
ein Erhaschen der Fahnen, der Wächter, der Anlegestellen, der Röschtigräben,
der Magischen Quadrate, Füllhörner und Pneu-Skulpturen. Für Schiffsgäste ist
ArtCanal eine kleine, bunte Attraktion auf der Fahrt zwischen zwei Artplages.
Den Veranstaltern ist der Trotz, ihre Idee Expo-Absage hin oder her umzusetzen,
zum Verhängnis geworden. Das Event wurde wichtiger als die Kunst. Zwar zeichnet
mit dem Feuer-Plastiker Paul Wiedmer ein Bekannter für die künstlerische Leitung.
Doch der einzige Kunsthistoriker im Team schied schon vor einem Jahr aus. Als
die Kantone Bern und Neuenburg kurz vor dem Scheitern mit finanziellen Zusagen
den Startkick ermöglichten, lief das Rad. Inzwischen sind vom 1,5
Millionen-Budget 1,1 Mio zugesichert, 400 000 Franken fehlen.
Im heutigen Konzept der Ausstellung verquicken sich ein kulturpolitischer und
ein künstlerischer Ansatz. Der kulturpolitische (der alte Expo-Gedanke) geht
dahin, Auslandschweizer-Künstlern eine Plattform in der Schweiz zu bieten. Eine
schöne Idee, die aber im Zeitalter globaler Vernetzung antiquiert ist und schon
gar nicht für Qualität bürgt. Dies wohl ahnend, lud man im Laufe der Zeit
Schweizer Künstler/-innen mit Erfahrung in Freiluftausstellungen hinzu. Das
Kunterbunte war trotzdem nicht mehr zu vermeiden.
Es wäre indes ungerecht, die Sache damit abzutun; den Künstler/-innen zuliebe.
Denn zum einen gibt es neben der Schifffahrt die (reizvolle) Möglichkeit dem
Zihlkanal entlang zu wandern, oder mit dem Velo zu fahren, und damit die Kunst
auch wirklich zu sehen. Zum andern sind da trotz allem Highlights, sichtbare
und subversive.
Eine Arbeit ragt buchstäblich aus allen andern heraus. Es ist der
"Rainbow" von Petra Grünig (34), einer in Deutschland lebenden
Bernerin. Aus aufstrebenden, sich von beiden Seiten geschwungen über den Kanal
biegenden Rohren spritzt Wasser, viel Wasser, Sprühregen bildet sich und in der
Sonne bricht sich das Licht torförmig zum "Regenbogen". Das
Generalthema der Ausstellung, Grenzen zu überwinden, Kommunikation zu schaffen,
ist visuell und inhaltlich eindrücklich eingefangen.
Es ist eine kostspielige Arbeit. Im Gegensatz zu anderen Beteiligten, hat die
Künstlerin einen privaten Sponsoren gefunden. "Mit so viel Geld, kann man
natürlich in anderen Dimensionen gestalten", sagt ein Künstler und man
"hört" das Knurren in seinem Bauch. Die meisten Kunstschaffenden
mussten mit den zugesicherten 6500 Franken für Honorar, Material- und
Ausführungskosten (ohne Infrastruktur) durchzukommen versuchen. Das ist wenig,
um sich gegenüber der Natur (im Berner Teil) und der Industrielandschaft (im
Neuenburgischen) installativ durchzusetzen. Manche Idee fiel so über Bord.
Umsomehr als von den 6500 Franken erst 4000 zur Verfügung stehen, der Rest ist
abhängig vom Sponsorenglück der kommenden Monate.
Weniger, dafür grössere Arbeiten hätten mehr Gesicht gegeben. Schliesslich
konnte nur einer diesen (Gratis)-Coup landen: Olivier Mosset hat schlicht und
einfach drei Titel geliefert: "Pneu-Skulptur", "Golden
Gate" und "Bunker". Sie benennen in klassischer Minimal
Art-Tradition nichts als was da ist: Eine Brücke, Pneus und eine silbrigfarbige
Baracke.
Von den Auslandschweizer Künstler/-innen im traditionellen Sinn gibt es wenig
Herausragendes zu benennen. Die in Finnland lebende Denise Ziegler etwa hat ein
Füllhorn installiert, das alle 10 Minuten Eiswürfel ausspeit. "Ich wollte
das mitbringen, was es im Norden in Hülle und Fülle gibt." Sympathisch,
aber die Umsetzung als kleine, weisse Stahlform mit Loch ist visuell wenig
überzeugend, immerhin noch besser als die "Amish Quilts", welche die
in Kanada lebende Astrid Fitzgerald an eine Wäscheleine gehängt hat.
Da sind die internationalen Schweizer wesentlicher: Der "Italiener"
Daniel Spörri etwa, der bei der Schifflländte von La Neuville (einige haben das
Kunstgebiet ausgeweitet) ein Fernrohr montiert hat, mit welchem im Schilf nahe
beim Hafen von Erlach vis-à-vis die Worte "Meliora Latent" zu
entziffern sind. Der kritische Ansatz tut gut; man findet ihn auch bei "ingold
airlines", die ein Schutzgebiet absperren: "Protection
d'espèces"! Oder beim Seeländer Martin Ziegelmüller, welcher die
Raffinierie von Cressier mit einer (gemalten)2202-Vision spiegelt. Sicher und
klassisch sind im Vergleich die einander zugewandten Stäbe von Gunter Frentzel
und die als Wasserspiel konzipierte "Liliensäule" von Reto Emch. Und
das Prädikat "poetisch" gehört insbesondere zum "Tisch am
Fluss" von Susi und Ueli Berger, zu den sensorbetriebenen
"Welcome"-Fussmatten von Serena Amrein, den "Schwimmenden
Wolken" von Barbara Jäggi, aber auch den "Lotosblüten" von Ping
Qiu.
Bester Ausgangspunkt für eine Wanderung entlang der Zihl ist die Schiffstation
von Le Landeron. Anfangs Juni erscheint ein Katalog.
ArtCanal
zuzuku
- Informationsseite _________________________
Weitere
Artikel:
In der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) konnte gelesen
werden:
Martin
Heller Form und
Inhalt - oder: Die Expo auf Madagaskar? Das
dritte Leben der Expo hat begonnen. Jenes wichtigste Leben, das erweisen wird,
was bleibt. An Bildern, Erinnerungen, Erkenntnissen - Fundus einer
Nachhaltigkeit, die das ganze Land einschliesst. Was hat uns allen die
Landesausstellung gebracht? Doch wer bilanziert, tut das auf Grund von
Interessen. Und darum leistet sich der künstlerische Direktor in seinem fünften
und abschliessenden NZZ-Beitrag zur Landesausstellung den Luxus, seinen eigenen
Interessen nachzugehen. ....... Neue Zürcher Zeitung, 26.Oktober 2002
Jörg
Kiefer Zufriedenheit als Spiegel des Expo-Lächelns Überwiegend
positive Bilanz der Direktion Betrieb Neue
Zürcher Zeitung, 26. Oktober 2002
Christophe
Büchi Vielsagendes
Schweigen Mehrsprachigkeit
war an der Expo 02 nur Randthema Neue Zürcher Zeitung, 25. Oktober 2002
Urs Steiner
Alles schon gesagt, Präzise Prognose zur
Expo02 Neue Zürcher Zeitung, 22. Oktober 2002


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