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Lokales -
10.06.2002
Die Kunst ist die rechte Hand der Natur
Kreis Böblingen - Treffpunkt Natur: Auf der grünen
Wiese zwischen bunten Sommerblumen und Kunst wurde am Sonntag die Ausstellung
"Eigen-Art" auf dem Venusberg bei Aidlingen eröffnet.
"Eigen-Art" - ein einzigartiger Beitrag des Landkreises zum
Landesjubiläum.
Kunst und Natur in Einklang zu bringen, diesen ganz
besonderen Akzent der Ausstellung hob Ministerialdirektor Wolfgang Fröhlich aus
dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst auch ganz besonders
hervor. Dies mache den Beitrag des Landkreises unter den landesweit 1400
Veranstaltungen zum Landesjubiläum zu einer Besonderheit. Kunst nicht als
ästhetische Beigabe zur Natur, sondern als eigenständiger Beitrag, auch das sei
nicht üblich, meinte Fröhlich. Schon immer spiele der Landkreis Böblingen in
Sachen Kunstförderung eine Sonderrolle, diese Ausstellung zum Landesjubiläum
sei ein Zeugnis für dieses nicht selbstverständliche Engagement.
Im
Zusammenspiel vieler Kräfte ist eine Ausstellung
entstanden, für die sich nicht nur Ministerialdirektor
Wolfgang Fröhlich viele Besucher aus dem ganzen
Land wünscht. Auch Landrat Bernhard Maier forderte
zum Besuch auf. Zeit und Stille seien wichtige Begleiter
bei der Wanderung durch Kunst und Natur. Zum Wiederkommen
lud er die zahlreichen Anwesenden bei der offiziellen
Eröffnung ein, Kunst und Natur zu erleben während
des Sommers, in der herbstlichen Farbenpracht, in nebelverhangenen
Novembertagen, im Schnee und im Frühjahrsflor.
Die Werkschau mit Arbeiten von 36 Künstlern
wird ein Jahr lang die im Kreis einmalige Heidelandschaft
auf dem Venusberg prägen. Hier zeige der Landkreis
seine ganze spezielle Eigenart: Heimatverbunden und
weltoffen, sagte der Landrat. Weit schweift der Blick
von der 537 Meter hoch gelegenen Kuppe des Venusbergs
über die Landschaft, in der Schlote und Hochhäuser
markante Punkte bilden, das Industriebecken um Sindelfingen
und Böblingen hat dem Landkreis Wohlstand beschert.
Lebensqualität jedoch, die Heimatgefühl wachsen
lässt, bietet die Landschaft und da besonders der
Venusberg, mit 115 Hektar größtes Naturschutzgebiet
im Landkreis. Über 50 Prozent der Aidlinger Gemeindefläche
stehen unter Natur-und Landschaftsschutz.Dass während des Landesjubiläums
Aidlingen in den Mittelpunkt rückt ist auch die Ernte einer über jahrzehntelang
konsequent
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verfolgter Umweltpolitik. Ein
wachsames Auge haben die Naturschützer
und ihre Verbände allemal für den Venusberg und so ist es auch nicht
verwunderlich, dass sich heftiger Widerstand regte, als die Idee der großen
Skulpturenausstellung bekannt wurde. Dankbar vermerkte
der Aidlinger Bürgermeister Ekkehard Fauth, dass der Gemeinderat immer hinter
diesem Projekt stand. Immer wieder schien es im letzten Jahr in Frage gestellt.
Der Kompromiss führte zu einem 5,3 Kilometer langen Rundweg, der die Besucher am
Rande des Naturschutzgebietes von Kunstwerk zu Kunstwerk führt und in immer
wieder auch auf landschaftliche Besonderheiten hinweist. Griff in den
Zitatenschatz Die
Eröffnungsredner des Sonntagvormittags sind im Zitateschatz fündig geworden.
Der Landrat zitierte Goethe: Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und
haben sich - man denkt es kaum - doch gefunden. Der Ministerialdirektor dagegen
hält es mit Schiller: Kunst ist die rechte Hand der Natur. Landschaft und Natur
waren Inspiration für viele Künstler, ihre Arbeiten entstanden ganz speziell
für diese Ausstellung. Darüber hinaus jedoch habe man auch einen Bogen schlagen
wollen in die Geschichte der Bildhauerei in diesem Land, erläuterte der
künstlerische Projektleiter Professor Dr. Helge Bathelt aus Herrenberg den
ersten Ausstellungsbesuchern, die sich nach der offiziellen Eröffnung ein Stück
Kunstgeschichte erwanderten. Ein besonderes
Augenmerk galt an diesem Tag jedoch auch denen, ohne die es die Landschaft auf
dem Venusberg längst schon nicht mehr gäbe. Das reizvolle, eigentümliche
Landschaftsbild mit offener Heidelandschaft, säulenförmigen Wacholderbüschen,
Hecken auf Steinriegeln und knorrigen, einzel stehenden Kiefern entstand aus
der jahrhundertealten Nutzung als Schafweide. Alles über das traditionelle
Handwerk, das heute um sein Überleben kämpft, war zu erfahren an den Ständen
des kleinen Schäfermarkts am Rande des Venusbergs, Schafschur und wie man eine
Schafherde hütet, das wurde im Rahmenprogramm am Nachmittag gezeigt. Natur und
Industrie gehören eng zusammen im Landkreis, das würdigte ganz außerhalb des
vorgesehenen Programms auch Staatssekretär Wolfgang Rückert: Er brachte die
Ehrenfahne des Landes Baden-Württemberg mit auf den Venusberg. Der Landkreis,
seine Städte und Gemeinden und seine Bürger leisteten einen Beitrag dazu, dass
Baden-Württemberg im europäischen Wettstreit einen Spitzenplatz einnimmt, aber
auch die Qualität eines "Wohlfühllandes" habe.
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