28.06.2003

"Venusberg" vor dem Herrenberger Krankenhaus "Da hat man schon etwas Sinnvolles und Lustvolles inszeniert", meint Prof. Helge Bathelt, der Organisator des Skulpturenpfades auf dem Aidlinger Venusberg über die Schau, die am Sonntag mit einer Finissage endet. Die Ausstellung wird zweifellos als das größte Kunstereignis im Landkreis Böblingen in Erinnerung bleiben.


Gebäuden wiederfinden. So kann beispielsweise das Kunstwerk mit dem Titel "Venusberg" von Uli Gsell am Herrenberger Kreiskrankenhaus und die Arbeit "Ohne Titel" von Lutz Ackermann demnächst auf dem Gelände des Leonberger Kompostwerks besichtigt werden. Eines der schönsten Erlebnisse, sagt der Organisator der Venusberg-Ausstellung, sei für ihn gewesen, dass es zu "keinen nennenswerten Vandalismen kam; niemand hat die Natur zertrampelt". Proteste von Naturschützern hatten die Vorbereitungen der Ausstellung begleitet.

"Kunst und Natur" - das war für den Zeitraum eines Jahres das Motto auf dem Aidlinger Venusberg.
Ursprünglich 36 Bildhauerarbeiten waren hier für die Dauer eines Jahres entlang eines Pfades, der sich durch ein urtümliches Naturschutzgebiet windet, zu sehen. Geschätzte 130 000 Besucher beschritten während dieses Jahres den Skulpturenpfad - eine Zahl, die auf die Beobachtungen des Personals im Aidlinger Schafstall und der örtlichen Gastronomie zurückgeht. Wie hoch die Zahl der Führungen während der Monate der Ausstellungen war, ist dagegen unbekannt - neben den etwa 50 Führungen, die vom Herrenberger Volkshochschulleiter Bathelt und seinen Kollegen geleitet wurden und den rund 60 naturkundlichen Führungen, die Siegfried Zenger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises organisiert hat, fanden auch immer wieder private Führungen statt - mancher Bildhauer geleitete seine Gäste persönlich über den Skulpturenpfad. "Viele sagen auch, sie seien vier oder fünf Mal da gewesen, um die Ausstellung bei verschiedenen Jahreszeiten erleben zu können", berichtet Bathelt.

Etwa 30 Einzelveranstaltungen fanden in den letzten Monaten auf dem Venusberg statt - Kunstaktionen, ein Bildhauersymposium, der Tanz der Katja Erdmann-Rajski - aber immer wieder auch Vorträge oder Ausstellungen zum Naturschutz. "Wir haben versucht, es wach zu halten", sagt Bathelt, "aber die Gefahr, dass es einschläft, war eigentlich gar nicht da." Wie der Erfolg des Skulpturenpfades auch in finanzieller Hinsicht zu beziffern ist, muss noch ermittelt werden. Geplant wurde das Projekt im Jahr 2001 mit einem Gesamtkosten Rahmen von 178 000 Euro; davon rund 92 000 Euro an Haushaltsmitteln des Kreises. Da der Landkreis die Arbeiten von den Künstlern nur ausgeliehen hatte, geht ein Großteil der Kunstwerke zurück an die Eigentümer. Einige Werke wird die Bevölkerung bald vor verschiedenen kreiseigenen

Der Landkreis bemühte sich daraufhin, diesen Protesten schon im Voraus den Nährboden zu entziehen. Anstatt die Skulpturen im Erdreich zu verankern, wurden bei vielen Arbeiten Eisenplatten zur Stabilisierung verwendet - eine nicht nur naturfreundliche, sondern auch kostengünstige Lösung: Die zuständige Firma hat zugesagt, die Platten zurückzunehmen und 80 Prozent der Kosten zu erstatten, erzählt Bathelt.
Die Proteste zu Beginn der Ausstellung gingen von der zentralen Naturschutzbehörde in Stuttgart aus - vor Ort gab es, so Bathelt, derartige Differenzen nicht: "Mit den lokalen Naturschützern in Aidlingen haben wir uns schon zuvor abgestimmt." So wurde die Planung des Skulpturenpfades schon frühzeitig geändert und die Standorte aller Werke auf Gebiete außerhalb des Naturschutzgebietes verlegt - mit Ausnahme der Arbeiten von Rudolf Hoflehner und Peter Römpert, die sich auf bebauten Flächen innerhalb des Gebiets befanden. "Man wird mit Sicherheit in einem Jahr nicht mehr sehen, wo die Skulpturen gestanden haben." Voll des Lobes ist Bathelt für die Künstler, die am Aidlinger Projekt mitarbeiteten: "Sie waren pflegeleicht und sie haben klasse Sachen abgeliefert." Freilich sei es ihm nicht gelungen, mit der Skulpturenausstellung einen vollständigen Überblick über die baden-württembergische Bildhauerszene zu geben. Mit Bildhauern wie Heinz Mack, Otto Baum, Otmar Alt, Bernhard Heiliger waren jedoch Künstler von nationaler und internationaler Bedeutung auf dem Venusberg vertreten. "Das ist Weltkunst", sagt Bathelt. "Mehr konnten wir nicht tun." Anders, als in der Malerei, habe man es hier jedoch mit Künstlern zu tun, deren Namen in der breiten Bevölkerung, trotz internationalen Renommees, kaum bekannt seien.

Die "Eigen-Art"-Ausstellung endet am Sonntag, um 14 Uhr, mit einer Finissage zwischen den Skulpturen 18 und 19. Landrat Bernhard Maier übernimmt die Begrüßung.